Seit 1. Januar 2011 kann die neue Benzinsorte E10 mit 10 % Bioethanol an deutschen Tankstellen verkauft werden. Noch ist E10 nicht flächendeckend verfügbar – doch widersprüchliche Berichte verunsichern die Verbraucher. Völlig unbegründet, denn E10 ist nicht der entscheidende Preistreiber für Benzin und bei Beachtung der Herstellerhinweise können keine Schäden an Fahrzeugen auftreten.
Nachfolgend sollen die zentralen Fragen beantwortet werden:
Bei der Bezeichnung E10 handelt es sich um eine Abkürzung: "E" steht für den Alkohol Ethanol, der dem aus Erdöl gewonnenen Benzin beigemischt wird. Die Zahl "10" zeigt an, dass der Ethanolanteil bis zu 10 % betragen darf. Seit 1989 ist ein Anteil von bis zu 5 % im Ottokraftstoff zulässig.
Das Ethanol wird durch alkoholische Gärung aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen gewonnen - zum Beispiel aus Zuckerrohr und -rüben, Mais oder Getreide. VERBIO produziert Bioethanol in seinen Anlagen in Schwedt und Zörbig.
Mit der Verwendung von E10 werden 10 % des Benzins durch einen aus heimischen landwirtschaftlichen Rohstoffen hergestellten Biokraftstoff ersetzt. So erhöht E10 die Unabhängigkeit unserer Energieversorgung und hilft, die Erdölreserven zu schonen. Außerdem verbessert die Beimischung die Klimabilanz des Kraftstoffes, da Bioethanol weniger CO2 verursacht als Benzin. Denn beim Verbrennen wird lediglich die Menge des klimaschädigenden Gases CO2 freigesetzt, die die Pflanzen zuvor aus der Luft gebunden haben. VERBIO Bioethanol setzt 80 % weniger CO2 frei als Benzin. Die Nachhaltigkeitsvorschriften für Biokraftstoffe gewährleisten die Umweltverträglichkeit von Bioethanol. E10 hilft somit dem Klimaschutz und der Energieversorgung.
In Deutschland werden jedes Jahr ca. 20 Millionen Tonnen Benzin verbraucht. Bei flächendeckender Verwendung von E10 können also bis zu zwei Millionen Tonnen Benzin im Jahr gespart werden. Das bedeutet eine Vermeidung von mindestens 2,3 bis 3,6 Millionen Tonnen CO2.
Ja. Nach der europäischen Richtlinie über die Kraftstoffqualität sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, E10 einzuführen, damit der Ausstoß von Treibhausgasen im Straßenverkehr verringert und die EU-Klimaziele erreicht werden.
Nein. E10 wird zusätzlich zu den bisherigen Kraftstoffsorten eingeführt. In Deutschland sind die Kraftstoffanbieter per Verordnung verpflichtet, E5-Super weiterhin anzubieten, und zwar zeitlich unbefristet. Diese Pflicht könnte nur durch eine Änderung der Verordnung zurückgenommen werden, was nach Angaben des Umweltministeriums aber nicht geplant ist. Damit geht Deutschland über die EU-Vorgaben hinaus: Die EU verlangt nur ein verpflichtendes Anbieten bis 2013.
Nein. Die Tankstellen sind nicht gesetzlich verpflichtet, E10 anzubieten. In der Praxis wird E10 jedoch an den meisten Tankstellen angeboten werden, da die Beimischungsverpflichtung anders kaum erfüllt werden kann. Denn die deutschen Mineralölunternehmen sind gesetzlich verpflichtet, einen bestimmten Anteil Biokraftstoffe zu vermarkten: Bezogen auf den Heizwert müssen 6,25 % der in Deutschland verkauften Kraftstoffe „bio“ sein, andernfalls werden Strafzahlungen fällig. Diese Verpflichtung können die Mineralölunternehmen durch Reinkraftstoffe (Biodiesel B100 oder Bioethanolkraftstoff E85) oder durch die Beimischung von Bioethanol zu Ottokraftstoff oder von Biodiesel zu Dieselkraftstoff erreichen.
Ja, in anderen Ländern wie den USA, Australien oder Neuseeland kann man E10 bereits seit längerem tanken. In Frankreich wird Benzin mit 10 % Bioethanol seit April 2009 unter dem Namen „Super Carburant SP95-E10“ angeboten.
E10 wird an Zapfsäulen deutlich gekennzeichnet: Dort steht der Name der Benzinsorte mit dem Namenszusatz "E10" - also beispielsweise "Super E10". Zusätzlich werden die Hinweise „Enthält bis zu 10 % Bioethanol“ und „Verträgt Ihr Fahrzeug E10? Herstellerinformation einholen! Im Zweifel Super oder Super Plus tanken!“ angebracht. Beim herkömmlichen Benzin steht an den Zapfsäulen wie bisher nur der Name der Benzinsorte - also beispielsweise "Super".
Um auf Nummer sicher gehen zu können, hilft ein Anruf beim Fahrzeughersteller, Händler oder in der Vertragswerkstatt. Laut ADAC vertragen 90 % der Kfz in Deutschland den neuen Kraftstoff. An den Tankstellen wird auch weiterhin unbefristet der bekannte Kraftstoff E5 (Super) angeboten, um die restlichen 10 % zu betanken, die E10 nicht vertragen. Eine Liste E10-verträglicher Fahrzeuge ist auf der Internetseite der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de/e10 zu finden.
Besser den Wagen stehen lassen und sofort den Hersteller um Rat fragen. Schlimmstenfalls muss der Tank ausgepumpt werden. Denn Motoren, die E10 nicht vertragen, könnten bereits durch einmaliges Betanken kaputt gehen.
Ja, minimal. Die Energiedichte von Ethanol ist etwas geringer als die von herkömmlichem Benzin. Deshalb benötigen Motoren mehr Treibstoff, je höher der Alkoholanteil im Sprit ist. Experten gehen von einem maximal 1,9 % höheren Verbrauch aus.
Laut ADAC vertragen 90 % der Kfz in Deutschland den Kraftstoff, 10 % vertragen die neue Kraftstoffsorte nicht. Bioethanol hat etwas andere chemische Eigenschaften als Benzin. Deswegen kann es beim Einsatz von E10 zu chemischen Reaktionen (Korrosion) in Motor und Kraftstoffsystem kommen. Bei manchen Fahrzeugen vertragen Aluminium-Bauteile sowie Dichtungen und Leitungen aus Kunststoff daher kein E10. Von diesen Problemen sind fast ausschließlich ältere Fahrzeuge (Baujahre vor 2000) sowie Fahrzeuge mit Direkteinspritz-Systemen der ersten Generation betroffen. Neufahrzeuge sind in der Regel E10-tauglich.
Bevor zum ersten Mal E10 getankt wird, sollte man sich vergewissern, ob das Fahrzeug zur Verwendung von E10 freigegeben ist. Ist das nicht der Fall, muss weiterhin das herkömmliche Benzin mit maximal fünf Volumenprozent Bioethanol getankt werden. Theoretisch können sonst schon beim einmaligen Betanken mit E10 Schäden am Fahrzeug nicht ausgeschlossen werden.
Die einzelnen Fahrzeughersteller geben Auskunft, ob Ihre Fahrzeugmodelle E10 vertragen. Eine Liste E10-verträglicher Fahrzeuge ist auf der Internetseite der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de/e10 zu finden. Die Liste enthält auch Servicenummern der Fahrzeughersteller, die bei Fragen zu E10 angerufen werden können.
Ja, Mischungen von E5 und E10 sind für E10-taugliche Fahrzeuge problemlos möglich.
Nein, beim Betrieb eines Autos mit E10 entstehen keine schädlicheren Abgase als beim Betrieb mit herkömmlichem Benzin E5. Dies bestätigen Analysen der Emissionen unter Verwendung von E5 und E10, die Wissenschaftler der TU Wien durchgeführt haben. Auch bei der Verwendung von E10 werden die Abgase durch den Katalysator bestimmungsgemäß aufgereinigt und die gültigen EUGrenzwerte für Umwelt- und Gesundheitsschutz eingehalten.
Sparsamere Autos können kein Ersatz für Bioethanol sein. Auch sparsamere Autos verbrauchen immer noch Kraftstoff. Und an den CO2-Emissionen der heute bereits im Bestand vorhandenen Benzinfahrzeuge ändern künftige Verbrauchssenkungen nichts. Die mit Bioethanol möglichen CO2-Einsparungen können also durch Verbrauchssenkung alleine nicht erreicht werden. Ein Verzicht auf Bioethanol würde bedeuten, dass bis 2020 mindestens 26 Millionen vermeidbare Tonnen CO2 weiter emittiert werden. Verbrauchssenkungen könnten demgegenüber lediglich ca. 16 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Sparsamere Autos und Bioethanol dürfen kein Gegensatz sein, sondern müssen sich gegenseitig ergänzen.