Ulrike Kurze
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24.05.2012 | Corporate Themen

Aus Mist wird Bioenergie

Interview mit Claus Sauter, Vorstandsvorsitzender VERBIO AG

 

Im vorangegangenen Beitrag hat Dr. Andreas Eisen, Geschäftsführer des Genossenschaftsverbandes, aus übergreifender Sicht untersucht, welche Rolle die großen Agrarunternehmen der neuen Länder bei der Energiewende spielen können. Im Vergleich mit den eher kleinteiligen bäuerlichen Strukturen in Westdeutschland erreichen die ostdeutschen Betriebe ganz andere Größenordnungen. Diese Unternehmen verfügen oft auch über erhebliches ökonomisches Potenzial und können sich somit mit ganz anderer Schlagkraft auch dem Thema Erneuerbare Energien widmen.

Soweit der grundsätzliche Befund. Wie manifestiert sich das aber in Segmenten, die per se eine Domäne des Agrarsektors sind? Auf diese Frage versuchten wir im Interview mit Claus Sauter Antworten zu finden. Sauter ist Vorstandsvorsitzender der VERBIO Vereinigte BioEnergie AG mit Sitz in Zörbig (Sachsen-Anhalt), einem führenden und konzernunabhängigen Hersteller und Anbieter von Biokraftstoffen in Deutschland und Europa.


UNTERNEHMERIN KOMMUNE: Die VERBIO AG hat sich mitten im Osten, in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg angesiedelt. Waren die großagrarischen Strukturen für Sie ein zentrales Standortargument?

Claus Sauter: Auf diese Frage kann ich ganz klar mit Ja antworten. Ich komme aus dem Unterallgäu. Dort lag die durchschnittliche Betriebsgröße bei 15 Hektar. Im Osten waren nicht nur die Flächen größer, sondern es gab auch hoch qualifiziertes Personal mit Geschäftsführern die allesamt eine Hochschulausbildung durchlaufen haben und Profis auf ihrem Gebiet waren und sind.

UNTERNEHMERIN KOMMUNE: Sie setzen bei der Herstellung von Biomethan vor allem auf agrarische Reststoffe. Was brauchen Sie genau? Sind die großen Betriebe im Osten für den Bedarf der VERBIO AG mehr prädestiniert als die im Regelfall eher kleinen und mittleren Höfe in den alten Ländern?

Sauter: Dank der großen Flächen und der exzellenten Ausbildung können in den neuen Bundesländern große Flächen kostengünstig und professionell bewirtschaftet werden. Als wir mit der Herstellung von Biokraftstoffen begonnen haben lagen zehn Prozent der Agrarfläche innerhalb der Europäischen Union brach. Auch diesen Aspekt sollte man sich vor Augen halten, wenn allzu schnell die Schlagworte Flächenvernichtung und Nahrungsmittelkonkurrenz thematisiert werden. Die heute gelb blühenden Rapsfelder blieben seinerzeit ungenutzt. Wir produzieren Biomethan, Biodiesel und Bioethanol. Wenn es aber darum geht, weiteres Wachstum zu generieren, setzen wir auf Biokraftstoffe der zweiten Generation. Das bedeutet, dass hier keine Nahrungsmittelrohstoffe zum Einsatz kommen dürfen. Angesichts einer meines Erachtens falschen Förderpolitik zum Thema Biogas in Deutschland sind die von uns benötigten Mengen jedoch nicht mehr verfügbar. Wir wollen deshalb von Sachsen-Anhalt und von Brandenburg aus in Richtung Osteuropa expandieren, dorthin, wo ebenfalls große Agrarstrukturen vorherrschen und wo die Reststoffe aus der Landwirtschaft aktuell nicht genutzt werden.

UNTERNEHMERIN KOMMUNE: Geht es bei Ihrer Zusammenarbeit mit den großen Agrarunternehmen um reine Liefer- und Bezugsbeziehungen oder auch um die Etablierung von Partnerschaften?

Sauter: Wir sind immer daran interessiert, langfristig zu kooperieren. Dies gilt vor allem für unser Wachstumskonzept, bei dem wir uns insbesondere auf Biomethan konzentrieren. Schließlich sind wir aufeinander angewiesen. Auf der einen Seite benötigen wir die Reststoffe von den Bauern, auf der anderen Seite sind natürlich auch diese interessiert an einer Weiterverwertung. Hinzu kommt, dass auch bei der Erzeugung von Biomethan wieder organische und nicht-organische Reststoffe anfallen, die wiederum als Dünger genutzt werden können. Da wir diese nicht über weite Strecken transportieren können und wollen, sind wir auf eine enge Beziehung zu den umliegenden Agrarbetrieben angewiesen. Insofern sind beide Seiten Teil einer Kreislaufwirtschaft, die durchaus zur Befriedigung gegenseitiger Interessen funktionieren kann.

UNTERNEHMERIN KOMMUNE: Wenn es das Ziel ist, auch mittel- und längerfristige Allianzen zu etablieren, stellt sich die Frage welche Vorteile die beteiligten Partner – Agrarunternehmen und VERBIO – daraus ziehen können?

Sauter: Die Vorteile für uns liegen in einer gesicherten Versorgungslage mit den für unsere Anlagen notwendigen biologischen Rohstoffen. Der Bauer kann – einfach gesagt – von seiner Gülle, seinem Mist, seinem Hühnerkot, von Getreidestroh, Maisstroh bis hin zu Zuckerrübenblättern alles bei uns wiederverwerten, was er früher womöglich mühselig entsorgen musste – und er bekommt dafür auch noch einen Gegenwert. Das Investitionsrisiko und das technische Risiko liegen dabei zu 100 Prozent bei VERBIO.

UNTERNEHMERIN KOMMUNE: Welche Voraussetzungen müssten Agrarunternehmen haben, um als potentielle Allianzpartner von VERBIO in Frage zu kommen?

Sauter: Hier gibt es keine spezifischen Voraussetzungen. Wer an unserem Konzept interessiert ist und überschüssige Mengen an Reststoffen verwerten will, der soll mit uns Kontakt aufnehmen. Wichtig ist nur, dass wir die Gärreststoffe auch wieder zurückbringen können, damit sie beispielsweise als Dünger nochmals wiederverwertet werden können. Auch kleinere Betriebe sind herzlich willkommen. Einzig die regionale Nähe zu unseren Anlagen wäre von Vorteil, damit die logistischen Anforderungen überschaubar bleiben. VERBIO ist mittlerweile vor allem in den neuen Bundesländern sehr dezentral aufgestellt.

UNTERNEHMERIN KOMMUNE: Sie engagieren sich sehr dafür, dass die Erneuerbaren Energien auch auf der Straße ankommen, also als Kraftstoff Fahrzeuge von privat über gewerblich bis öffentlich antreiben. Wie lautet Ihre Vision, welche konkreten Ziele formulieren Sie, und könnten in diesen Konzepten auch die großen Agrarbetriebe eine Rolle spielen?

Sauter: Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt bis 2020 zehn Prozent der fossilen Kraftstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen. Aus unserer Sicht ist dies überhaupt kein Problem. Da wir vermehrt Reststoffe nutzen wollen, nehmen wir niemandem etwas weg und befördern auch keine Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln. Wir können unser Biomethan schon heute in aufgerüsteten Lastkraftwagen in Verbindung mit normalem Diesel als Kraftstoff einsetzen, womit sich die Kraftstoffkosten im Schwerverkehr um 25 Prozent reduzieren lassen. Das sind keine allzu optimistischen Planspiele sondern unsere konkreten Erfahrungen aus dem vergangenen Geschäftsjahr. Nahezu jede Woche stellen wir bestehende Erdgas-Tankstellen auf unser Biomethan um. Von der Politik erwarten wir lediglich, dass sie endlich aufhört, ständig die Spielregeln zu ändern. Wie brauchen Planungs- und Investitionssicherheit und keine ständige Novellierungen von Rahmenbedingungen und Zielorientierungen. Wir wollen kein Geld, wir wollen keine Garantien, sondern nur verlässliche Vorgaben.



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