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Kolumne No. 2 (März 2017)

RED II: Die Politik bremst den Klimaschutz aus!

Unbeachtet von der Öffentlichkeit wird derzeit in Brüssel und Berlin über Gesetzesänderungen diskutiert, die beispielhaft sind für das politische Wirrwarr in dem sich die Biokraftstoffbranche seit Jahren bewegen muss. Dieses Chaos bremst eine kostengünstige und effiziente Dekarbonisierung im Verkehrsbereich schlichtweg aus!

Der Biokraftstoffbereich durchlebt seit 2006 ein unberechenbares Auf und Ab. Durch ständig wechselnde gesetzliche Rahmenbedingungen wurde ein beispielloses Blutbad angerichtet. Zahllose mittelständische Unternehmen sind pleite gegangen. Bundesregierung und EU wissen beim Thema Biokraftstoffe einfach nicht, was sie wollen. Einerseits soll die Verwendung von konventionellen Biokraftstoffen der 1. Generation reduziert werden, andererseits tut man sich schwer, eine klare gesetzliche Verpflichtung für fortschrittliche Biokraftstoffe der 2. Generation einzuführen.

Dabei ist die Reduzierung von konventionellem Biodiesel oder Bioethanol, das seit Jahren in den Diesel und ins Benzin gemischt wird totaler Unsinn. Europa ersäuft förmlich schon wieder in Agrarüberschüssen. Die Bauern klagen zu Recht über niedrige Milch- und Getreidepreise. Mehr als die Hälfte des Rapsöls, das in Deutschland erzeugt wird, geht in die Biodieselproduktion. Mit den herkömmlichen Biokraftstoffen werden mehr als 70 % Treibhausgaseinsparung erreicht. Überall in der Welt werden die Vorgaben für konventionelle Biokraftstoffe erhöht. Selbst in den USA, die bislang wahrlich nicht die Vorreiter beim Klimaschutz waren, hat die EPA (Enviromental Protection Agency) vor wenigen Wochen die Biokraftstoffquoten massiv erhöht. Dasselbe passiert in Argentinien, Malaysia, Indien und China. In den USA reden wir schon lange nicht mehr über E10, sondern da geht es um E20. Nur in Europa ist man der Meinung, dies sei nicht gut. Die Politik hat sich dort in eine Diskussion verrannt, die objektiv einfach falsch ist und zur Katastrophe führen wird.

Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, wird mit Verabschiedung der neuen RED II (Renewable Energy Directive bzw. Erneuerbare Energien Richtlinie) die Anrechnung konventioneller Biokraftstoffe bis 2030 auf maximal 3,8 % begrenzt und damit nahezu vollständig durch fortschrittliche Biokraftstoffe aus agrarischen Reststoffen (wie Klärschlamm, Nussschalen und Stroh), aus Altfetten und aus Abwässern der Palmölproduktion (sogenanntes Palm Oil Mill Effluent (POME)) ERSETZT werden. Ja, Sie haben richtig gelesen: ERSETZT, nicht ERGÄNZT!

Damit werden die Milliardeninvestitionen in Biodiesel- und Bioethanolanlagen in ganz Europa, die durch konkrete Vorgaben aus Brüssel bis 2020 gefordert waren, obsolet. Abschreibungsruinen – nur weil Brüssel in 10 Jahren seine Meinung grundlegend geändert hat. Was ist denn das für eine beispiellose, willkürliche Kapitalvernichtung!

Ohne konventionellen Biodiesel und Bioethanol wäre die Dekarbonisierung im Verkehrsbereich heute gleich NULL. Wir würden in der EU schon wieder auf riesigen Getreidebergen sitzen oder müssten zur Zwangsstillegung von Anbauflächen zurückkehren. Einheimische Biokraftstoffe werden aus einheimischen Rohstoffen hergestellt. Dadurch sichern sie den einheimischen Bauern einen zusätzlichen Absatzmarkt und zusätzliches Einkommen. Das trägt maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung und Beschäftigung im ländlichen Raum bei. Wir befinden uns in der EU schon längst wieder in Zeiten der landwirtschaftlichen Überproduktion und die „Tank-oder-Teller“-Frage stellt sich hier nicht mehr.

Deshalb brauchen wir in Europa konventionelle Biokraftstoffe der 1. Generation UND fortschrittliche Biokraftstoffe der 2. Generation. Es gibt kein Entweder-Oder. Beide Technologien sind verfügbar und bauen aufeinander auf. Wir haben viel Geld und großes Engagement in Forschung und Entwicklung investiert. Wir brennen darauf, unser gesamtes Potenzial auf die Straße zu bringen, aber nicht unter diesen Bedingungen. Die Europäische Biokraftstoffindustrie verlangt Verlässlichkeit. Wer gute, saubere, einheimische Biokraftstoffe aus ideologischen und nicht nachvollziehbaren Gründen opfern will, schafft kein Vertrauen für neue Investitionen in fortschrittliche Biokraftstoffe.

Claus Sauter
Gründer & Vorstandsvorsitzender VERBIO Vereinigte BioEnergie AG und BioEnergie Experte